Eine kleine Geschichte über Krebs

Ich habe seit fast 4 Jahren in der Hämatologisch-Onkologischen Ambulanz zwei mal jährlich einen Untersuchungstermin. Menschen, die ein wenig Ahnung von Medizin haben, wissen dass es dort um Blut geht- und um Krebs.
Anfang der Woche war ich wieder dort- und obwohl da nicht viel passiert- und zur Zeit auch nichts Schmerzhaftes, war es einfach richtig schrecklich in diesem Wartezimmer. Ich war das erste Mal alleine da, somit auch keine Ablenkungsmöglichkeit durch meine Begleitung. Auf mein Buch konnte ich mich nicht konzentrieren, so traf diese „geballte Angst“ meiner Mitwartenden mit voller Wucht. Warten, hoffen, bangen, zittern. Es war einfach schrecklich so viel „Krebs“ auf einmal zu sehen und zu spüren….Das hat mich auch dazu gebracht endlich mal über dieses Thema zu schreiben. Mir meine Gedanken einfach mal von des Seele zu schreiben. Manchmal soll das ja ganz gut tun…..

Eine „Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz“, die schon vor fast 20 Jahren in einem Zufallsbefund entdeckt wurde und seitdem regelmäßig kontrolliert wird, ist vor ca. 4 Jahren in ein „schwelendes“ Multiples Myelom umgeschlagen. Eine Zelle, die sich nicht teilt, sondern klont, und das immer und immer wieder, bedeutet nichts Gutes! Manche sagen, es ist Blutkrebs, andere sagen Knochenmarkskrebs. Auf jeden Fall ist es ein Krebs des blutbildenen Systems. Es ist verwandt mit dem Plasmozytom und es ist nicht heilbar.

Unter den Blutkrebsarten ist das Multiple Myelom wohl ziemlich häufig. Aber insgesamt eher selten. Es gibt in Deutschland 4-5 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: beim Brustkrebs sind es ca. 170.

Im Februar 2015 wurde mal wieder eine Entnahme von Knochenmark gemacht, dabei kam heraus, dass 25% meines Knochenmarks aus krankhaft veränderten Plasmazellen besteht, die nichtsnutzige Immunglobuline produzieren. Ich fand das damals schon viel…. Und seitdem ist zumindest mein Knochenmark nicht mehr untersucht worden. Was ja auch irgendwie gut ist, denn das tut schon weh…..

In den letzten 4 Jahren wurde immer nur Blut abgenommen und hin und wieder auch ein Ganzkörper-CT gemacht, um zu schauen, ob meine Knochen schon Osteolysen (das sind Löcher! Meist viele kleine, die aussehen wir Einschüsse von Schrotkugeln) haben. Vor dem CT ist der Calcium-Wert im Blut ein entscheidender Faktor. Solange der nicht gefährlich ansteigt, haben die bösen Plasmazellen noch nicht so viel Raum gefordert, dass sie Knochenmaterial ins Blut gespült haben. Deswegen ist schon seit 1,5 Jahren keines mehr gemacht worden. Bei dem letzten CT wurde lediglich eine Osteopenie festgestellt. Die Knochendichte nimmt also bereits ab. Aber keine Löcher!

Wenn das soweit ist kommt es auch meist durch das Calcium und freiwerdende Leichtketten (ich bin kein Hämatologe und habe trotz der vielen Beschäftigung mit dem Thema ein absolutes Laienwissen, deswegen habe ich das mit den Leichtketten immer noch nicht so richtig verstanden…) zu Endorganschädigungen. Denn das was da nicht ins Blut gehört ist logischerweise nicht so gesund für die Nieren und die Leber, für die Nerven auch nicht. Und da das gesunde Knochenmark immer mehr und mehr verdrängt wird, wirkt sich die ganze Geschichte auch auf die Blutbildung aus. Werte verschlechtern sich, man ist viel müde, hat viele Infekte, Atemnot, die Hände und Füße kribbeln, es kann zu Nierenversagen kommen. Ach ja- und zu Knochenschmerzen, Knochenbrüchen (gerne Wirbel) und so weiter und so fort.
Die beste Krankheit taugt nichts- oder wie heißt das?

DAS Problem, jedenfalls mein Problem, ist, dass ich all das (noch) nicht habe. Gott sei Dank!

Ich bin zwar viel müde, habe auch mehr Infekte als früher, habe komische Rückenschmerzen! Und ich denke natürlich bei jedem merkwürdigen Symptom sofort an „mein“ Multiples Myelom. An den bösen Feind in meinem Inneren.
Aber die Blutwerte sind soweit nicht schlechter geworden. Jedenfalls Calcium- und Nierenwerte nicht. Die ganzen speziellen Werte der Immunglobuline, Leichtketten etc. dauern immer ein paar Tage länger. Auf die warte ich noch.

Ich habe also keine Symptome- und das ist ja auch gut. Nur- und da komme ich wieder zu meinem Problem: ich verharre seit 4 Jahren in einer „Watch and Wait“- Starre. Sprich: solange keine Symptome, solange keine Therapie. Was im Umkehrschluss heißt: Der Krebs muss erst richtig zugeschlagen haben, sprich angefangen haben sein böses Werk zu verrichten, also meinen Körper zu schädigen, bevor man was gegen ihn tut. Da kann ich ganz schlecht mit um. Und ich war fast enttäuscht, als ich hörte, dass wohl wieder „alles gut“ ist und wir nicht endlich gegenan gehen können.

Ich fühle mich mal wieder hilflos! Und ich habe Angst!

Dass es plötzlich ganz schnell geht und mein Körper dann plötzlich geschädigt ist und „repariert“ werden muss. Ich habe wohl keine besonders aggressive Form, sonst wären die Werte schon viel schlechter. Aber dann würde endlich angefangen werden, etwas zu tun um die Krankheit zum Stillstand zu bringen. Die Forschung ist wohl recht weit, es gibt verschiedenste Medikamente und das bei Krebs Übliche. Chemo, Stammzellentransplantation usw. Und natürlich Medikamente für die Knochen, für die geschädigten Organe und gegen die vielschichtigen Symptome.

Es ist so widersinnig! Und es macht mich wirklich auch ein bisschen böse. So dass ich gar nicht wirklich froh sein kann.

Im Moment kann ich also immer nur noch warten, hoffen und beten. Beten dafür, dass ich doch 90 Jahre alt werde und dann eines natürlichen Todes sterbe. Vielleicht bleibt der Zustand ja immer so wie er jetzt ist. Wohlmeinende Menschen in meinem Umfeld glauben das. Ich leider nicht wirklich!

Immer ist dieses Myelom ja da. Nicht nur in meinem Knochenmark. Auch in meinem Kopf! Mal mehr mal weniger präsent. Um diese Untersuchungstermine in Kiel herum immer sehr präsent und sehr belastend!
Wie ein Freund kürzlich sagte, trage ich diese Last beständig mit mir. Und genau das ist es: etwas das auf mir lastet, mich belastet. Mal leichter, mal unendlich schwer! Aber ich trage es immer mit. Und wenn nicht ein Wunder geschieht bis zu meinem Lebensende!

Ich bin ein meist positiv eingestellter Mensch, lebe sehr gerne und habe noch sehr viel vor.
Ich weiß allerdings nicht, was Gott noch mit mir vorhat und wo mich das alles hinführen wird… und manchmal fühle ich mich auch ein bisschen von ihm verlassen. Dann fühle ich mich auch medizinisch nicht gut aufgehoben und sehe alles in den schwärzesten Farben.
Zudem gibt es wenig Menschen mit denen ich meine Gedanken und Gefühle teilen kann. Und schon gar keine in meinem Umfeld, die das kennen mit so einer tickenden Zeitbombe zu leben. Der Spruch: „Dir geht es heute gut, mach dir doch keine Gedanken“ hilft nicht immer.

Am Ende wird alles gut, aber bis dahin……?

Ich weiß jetzt nicht, ob es gut war, diese „Geschichte“ hier zu veröffentlichen. Aber für den Moment tat es wirklich gut!

Danke für´s Lesen! 🙂

 

Advertisements

Wo finden wir was wir suchen?

Ich möchte etwas erzählen, von mir, von meinen jüngsten Erlebnissen mit „Kirche“.

In den letzten Wochen habe ich so viele wunderbare Sachen erfahren dürfen, die ich einfach teilen möchte, um auch Anderen die Chance zu geben, sich auf die Suche „nach Gott“ zu machen, bzw. Gott wieder Raum in ihrem Leben zu geben. Ich denke, es lohnt sich!

So viele Menschen sind auf der Suche. Nach Sinn. Wollen weg vom Materialismus. Minimalismus statt Konsum. Wollen die Welt retten. Die Erde schützen und bewahren. Wünschen sich, dass Kriege aufhören und möchten auf Plastik verzichten.
Wollen glücklich sein und stellen fest, dass man Glück nicht kaufen kann.

Wie sagt man so schön? „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“. Aber wie schmiede ich denn mein Glück? Mit Hilfe von Wellness-Wochenenden, Yoga, Superfood, Extremsport, zahlreichen Esoterikangeboten, Homöopathie, spirituellen Lebensratgebern?

Ich habe da einen Tip: Mit der Hilfe von Gott!!!
Mit dem Glauben an Gott.
Gebt Gott wieder eine Chance in eurer Leben zu kommen.

Wann ward ihr das letzte Mal in der Kirche? Bei einem Gottesdienst? Einer Andacht? Einem Lobpreis-Abend? Einem Konzert des Kirchenchores?
Für die die jetzt sagen „schon lange nicht mehr“: Versucht es mal! Es lohnt sich! Nicht immer gleich sagen : „Mit Kirche habe ich nichts am Hut!“
Es GIBT etwas zu holen in der „Kirche“! Sie holt nicht nur von dir, deine Kirchensteuer 😉

Kirche hat dieser Zeit und auch schon länger einen unangenehmen Touch. Das weiß ich und ich merke es selber, wie mich das beeinflusst. Wie etwas mich blockiert, wenn ich Freunden oder Bekannten, oder sogar meiner Familie erzähle, wie super mir der Gottesdienst gefallen hat. („Du immer mit deiner Kirche!“) Oder wenn ich von der Tagung berichte auf der ich gerade war. Nur nicht zuviel von Jesus reden. Nicht zuviel Gott loben. Oder die Predigt. Oder den Pastor.

Nicht zu viel erzählen, wie schön es war mit 200 Personen Christliche Lieder zu singen oder in einer Christlichen Gemeinschaft ein Wochenende zu verbringen. Nachher denken die noch, ich bin jetzt in einer Sekte und total abgedreht.

So denke ich- manchmal- und ich erschrecke mich dann selbst und finde es sehr schade, dass ich nicht offen zu dem stehen kann. (Ich arbeite daran, dass es anders wird. Vielleicht auch mit diesem Artikel) Denn es wird dem nicht gerecht, was ich selber fühle, wenn ich in so einer Gemeinschaft bin.

Dass ich mich sehr sehr gut aufgehoben fühle. Dass ich dort vertrauen kann. Sinnhaftigkeit spüre. Und Liebe.

Wie z.B. auf der GGE-Tagung von der ich gestern zurückgekommen bin, wo ich vier wunderbare Vorträge von vier tollen Pastoren hören durfte. Vorträge (oder Predigten) über das Thema „Komm zur Quelle“. Zur Quelle des Wassers des Lebens. Zur Quelle unseres Glaubens.
Wo ich die Möglichkeiten zum Lobpreis hatte (was gibt es für wunderbare Lieder!!), zur Seelsorge und sogar zur Beichte.

DSC_0095

Ich hatte auch meine Krise während dieser Wochenend-Tagung. An einem Tag liefen mir noch die Tränen vor Ergriffenheit beim Singen von „Heilig, heilig, heilig…“, am nächsten konnte ich es nicht über die Lippen bringen. Im Hinterkopf „Gott? Wo ist er denn? Gibt es ihn wirklich? Alles Quatsch!“
Aber ich bin da durch- nur kurz weggelaufen und dann doch zurückgekommen- und nach dem Abschluss-Gottesdienst mit Abendmahl und einem im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gemaltem Wasserkreuz auf meiner Stirn fühlte ich mich dann doch wieder angebunden.
Angebunden an Gott. An meinen Schöpfer, der mich gewollt hat, der mich liebt, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Der mir Kraft gibt und der mich auf den richtigen Weg in meinem Leben führt, WENN ich ihm zuhöre. Wenn ich auf das lausche, was er sich für mich ausgedacht hat.

Geht doch mal in einen Gottesdienst an einem Sonntagvormittag! (Termine z.B. „meiner“ Kirchengemeinde hier.)
Oder in ein Orgelkonzert.
Auch Musik ist ein Gottes-Geschenk, das auf einer ganz besonderen Ebene berührt. Meist ist auch für euch noch genügend Platz in den Kirchen 😉

Kommt vorbei! Singt und betet. Und hört euch an, was der Pastor zu sagen hat. (Oder das Team, das moderne Gottesdienste vorbereitet hat, die es ja immer mehr gibt.) Oder die Lobpreisband.

Über Dinge, die in der Bibel stehen, die so voller Weisheiten, Wunder und Wunder-voller Geschichten ist.
Über Jesus Christus, der für uns gestorben ist.
Über Liebes-und Lebensfragen.
Über Barmherzigkeit und Gemeinschaft.
Über Hoffnung und Trost. Und….und…. und….

Ich glaube, dass kaum jemand aus einem Gottesdienst oder einer kirchlichen Veranstaltung herausgeht, ohne etwas für sich und sein Leben mitzunehmen. Und wenn es nur das Wohlgefühl eines schönen Gemeinschaftserlebnisses ist.

Jedenfalls mir geht es so. Allerdings auch nicht schon immer.

Dadurch, dass ich in den letzten Jahren regelmäßig „Christliche Veranstaltungen“ besucht habe und immer wieder mit Gottes Wort konfrontiert wurde und die Auslegungen darüber gehört habe, ist mein Glaube in mir langsam aber stetig gewachsen und ich merke, wie ich der „Quelle“ immer näher komme und das „Wasser“ das daraus quillt auch eine Sehnsucht stillt, die immer da war. Tropfen für Tropfen immer ein bisschen mehr.
Versucht mal von diesem Wasser! Wenn ihr mögt……

Schaden kann es auf jeden Fall nicht!

Vater Unser

Gestern Abend hat sich mein Bild von Gott irgendwie verändert. Ein bissschen. Ich kann es gar nicht beschreiben, was da passiert ist. Aber es war im Glaubenskurs. Der zweite Abend der „Bin ich eigentlich ein Christ?“- Reihe. Es ging um „Gott kennen lernen“, um Bilder, die man sich so im Laufe des Lebens von Gott gemacht hat und die sich höchstwahrscheinlich auch mit dem Älterwerden und den gemachten Erfahrungen verändert haben. Es gab regen Austausch und es war spannend in kleinen Gruppen auch die Sichtweisen der anderen zu hören

Dann kam das Gleichnis von dem verlorenen Sohn. Von dem Sohn, der das Erbe seinen Vaters einforderte, um sein Ding zu machen. Der dann sozusagen in Saus und Braus lebte, unter die Räder kam und letztendlich so weit unten war, dass er sich mit den Schweinen das Futter teilen musste. Und der dann doch wieder nach Hause gefunden hat- und in die liebenden Arme seinen Vaters.
Ich habe diesen Glaubenskurs vor vier Jahren schon einmal mitgemacht- und auch damals schon habe ich als Teamer in dem kleinen Rollenspiel diesen jüngeren Sohn gesprochen. Vier Jahre sind so gesehen eine lange Zeit. Wenn ich jetzt zurückblicke scheint es mir fast so, als wäre dieses Gleichnis nahezu spurlos an mir vorübergegangen…

Denn gestern ist irgendwas in mir passiert. Die Geschichte, ein dazu gehöriges Bild von Rembrandt und das ganze Thema haben mich auf wundersame Weise berührt. Und ich habe, obwohl ich eigentlich immer „wusste“, dass Gott unser Vater ist und auch regelmäßig das „Vater Unser“ bete, gestern Abend gespürt, gefühlt, dass er auch wirklich unser Vater IST. Wie der Pastor so schön gesagt hat, auch immer bleibt, solange er lebt (und er lebt ewig), zumindest so lange ich lebe (und darüber hinaus?). Und vor Allem, dass er mein/ unser liebender Vater ist, egal wie die Umstände sind, egal wie „gottgefällig“ ich lebe. So wie mein eigener Vater, der mir, egal wie doof ich mich beim elterlichen Besuch benommen habe, zum Abschied die vorgewärmten Handschuhe von der Heizung überreicht….

Auch wenn es sich vielleicht mal nicht so anfühlt bei aller Not in der Welt, bei Krankheit, Streit und Schicksalsschlägen im persönlichen Umfeld, ER ist immer da und auch wenn es uns schlecht geht und wir vielleicht hadern und zweifeln, weil er uns als Vater ja eigentlich nicht leiden lassen dürfte- er ist trotzdem da und wir können uns in seine liebenden Arme kuscheln. Uns ihm anvertrauen, ihn um Hilfe bitten, denn er meint es gut mit uns (auch wenn sich das vielleicht nicht immer so anfühlt).
Man kann vielleicht sagen, ein Vater darf es nicht zulassen, dass es dem geliebten Kind schlecht geht. Aber ist es nicht auch im Leben so, dass man als Vater oder Mutter (Gott ist ja irgendwie auch beides) seinen Kindern beim Leiden zusehen muss, dass man es ertragen muss und wie sehr man sie auch sein ganzes Leben liebt, ihnen meist dieses Leiden nicht abnehmen kann?
Gott unser Vater ist da, egal wie die Umstände sind. Warum auch immer es uns schlecht geht und auch wenn wir noch so viel Mist gemacht haben. Wir sind alle seine geliebten Kinder. Seit gestern weiß ich das, irgendwie so ganz tief drinnen! Und das ist ein ganz ganz tröstliches, wunderschönes Gefühl.
Und weil ich so dankbar dafür bin, möchte ich das einfach hier mal teilen….

Danke für´s Lesen! 🙂

Und deswegen bin ich Christin

 

Am 1. Advent 1964 wurde ich im zarten Alter von 11 Wochen getauft. Mit 14 Jahren konfirmiert. Ich habe also selbst meine Taufe „fest gemacht“ und mich dazu entschieden Christin zu sein. Vielleicht auch nur, weil das alle machten und auch ich 1.000 Mark kriegen wollte?
Seit Beginn meines Lebens bin ich quasi „in der Kirche“, aber mit der Frage, ob ich auch Christin BIN, hab ich mich bis vor kurzem noch nicht wirklich beschäftigt. Ich war es einfach so. Ich habe immer an Gott geglaubt und das auch gemeinsam mit meinem Mann an unsere Kinder weiter gegeben. Ich glaube, er war auch immer Christ- ich bin es erst seit neustem, bzw. fühle und bezeichne mich seit kurzem erst so. Als Christin.
Wie ist es dazu gekommen?
Mit der Planung des mittlerweile 3. Glaubenskurses in unserer Kirchengemeinde, in dem ich auch schon zum dritten Mal im Vorbereitungsteam bin. Es ist ein Grundkurs mit dem Untertitel „Bin ich eigentlich ein Christ?“
Die Beschäftigung mit der Frage hat etwas in mir in Bewegung gebracht… Und natürlich auch die Beschäftigung mit der Vorbereitung für die fünf Kursabende, die Werbung, das Leute-Ansprechen, die Auseinandersetzung mit den Themen Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Erst im Kirchengemeinderat

Bei mir geht das irgendwie rückwärts.
Nach gut sechs Jahren im Kirchengemeinderat unserer Dorfgemeinde werde ich dann auch endlich mal Christin. Hört sich irgendwie komisch an. Aber ich habe mich immer auch in der Kirchengemeinde wohl gefühlt und wie ich schon sagte immer an Gott geglaubt. Ich sagte vor kurzem immer noch gerne ich hätte „einen kleinen Glauben“. Besonders gerne im Vergleich zu Anderen, deren Glauben mir oft zu doll, zu charismatisch, zu groß war.
Ich will auch nicht sagen, dass mein Glaube jetzt größer geworden ist, dass er gewachsen ist in den letzten sechs Jahren. Es war oft ein Auf und Ab. Auch habe ich immer wieder Zweifel. Anders geworden ist er, ja. Vielleicht tiefer.

Gott liebt mich

Durch die Arbeit im Kirchengemeinderat und die daran geknüpfte Beschäftigung mit Gott, mit Jesus, mit der Bibel, mit Gesangbuch und Lobpreis, in Gottesdiensten, in Andachten, im Hauskreis und im Internet und dort besonders in den sozialen Medien habe ich nach und nach und immer wieder und immer mehr gemerkt, wie gut mir das tut.
Wie schön das ist, dass Gott mich kennt und mich liebt.
Dass er mich schon kannte bevor ich auf der Welt war und dass er sich einen Weg für mich gedacht hat- auch wenn ich oft nicht weiß, wie der aussehen soll.
Und dass er immer für mich da ist.
Und dass er seinen Sohn für uns- und auch für mich- geopfert hat.

Ich fühle mich sehr wohl in Gemeinschaft mit anderen Christen. Ich war z.B. letztes Wochenende mit 90 Anderen auf einem Social Media Barcamp der Nordkirche. Die Mischung aus Facebook, Twitter, Instagram und gläubigen Christen aller Altersklassen hat mich voll geflasht!!!                                                                                                                   Ich liebe Andachten bei uns im Pflegeheim mit unseren Bewohnern, die auch schwer dement noch das Vater-Unser aus ihrem Gedächtnis kramen, ebenso wie Kirchenkaffee nach dem sonntäglichen Gottesdienst und Beten im Hauskreis.

Offen zum eigenen Glauben stehen

Aber….konnte ich bisher wirklich offen dazu stehen, also in Nicht-Kirchen-Kreisen?Bei meinen privaten Postings im Internet (z.B. bin ich mitbeteiligt an der Pflege unserer Facebook-Kirchenseite, teile und like diese auch gerne) bleibt natürlich eine sichtbare Affinität zu Kirche und Glauben nicht aus.
Viele meiner Freunde, Kollegen, Bekannten lesen das, einige sprechen mich ganz vorsichtig darauf an, aber ins tiefere Gespräch kommen wir meist nicht. Vielleicht weil ich mich bis vor kurzem immer noch scheute, auch offen zu meinem Glauben und hinter der Institution Kirche zu stehen.
Das ist natürlich dort einfacher wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind.
Erst wenn ich das überall kann, kann ich mich auch erst wirklich Christin nennen.   Wenn ich mich bei Sätzen wie: „Du immer mit deiner Kirche!“ oder „Dass du immer in die Kirche rennen musst“ nicht schämen muss, sondern mit Dankbarkeit davon berichten kann, was ich erlebt habe mit Kirche, mit Gott und wie gut mir ein Gottesdienst tut. Oder auch nur ein Lied aus Taizé, ein Segen oder ein Gebet.

Falsche Vorstellung von Kirche?

Viele Menschen in meinem Umfeld haben meiner Erfahrung nach auch eine ganz falsche Vorstellung von „Kirche“. Eine dogmatische, verstaubte, veraltete. Von trockner Liturgie, strengen Gesängen und zum Einschlafen langweiligen Predigten, die mit dem wirklichen Leben nichts zu tun haben. Wenn man seit der Konfirmation vor 30 Jahren nicht mehr in der Kirche war……
Und wenn man sich bei Facebook und Co. mal umguckt, wie auch dort heutzutage das Evangelium verkündigt wird, sieht man, dass Kirche doch irgendwie ein modernes Gesicht bekommen hat- ohne dass man einen Gottesdienst besuchen muss.
Obwohl natürlich die „echte Gemeinschaft“ Face to Face und ganz analog ihren ganz besonderen Reiz hat. Wir sind halt alle ein Teil des großen Ganzen.

Unsere Zeitrechnung geht „nach Christus“ und die Feiertage, die wir so gerne mitnehmen sind kirchlich. Früher war Glauben selbstverständlicher und mit den Traditionen verbunden. Die vielleicht nicht immer alle gut waren.
Aber Gott ist da. Und Gott ist gut. Er brachte seinen Sohn als Jesus Christus zu uns Menschen. Das glaube ich und zu diesem Glauben stehe ich.
Und deswegen bin ich Christin. Und langsam traue ich mich auch das zu sagen.
Immer ein bisschen mehr!

 

 

Glückspilz

Morgens auf der Arbeit im Seniorenheim. Ich bringe einer alten Dame ihre Post auf´s Zimmer.

Kurz nach der Begrüßung fragt sie: „Möchten Sie ein Pils?“ Einen ganz klitzekleinen Moment fühle ich mich verwirrt. Ein Pils? Es ist halb neun an einem Montagmorgen!! Dann fällt mir aber ein: sie handarbeitet. Habe auch schon Topflappen und gehäkelte Hühner zu Hause. Bestimmt meint sie einen selbstgemachten PILZ. Und ich sage: „Ja, sehr gerne!“ Denn man mag ja nicht nein sagen, ihre Sachen sind auch wirklich akkurat und schön anzusehen…und sie macht sich immer so viel Mühe- und freut sich, wenn man sich freut.

Als sie aufsteht, um zu ihrem Schrank zu gehen, wickelt sich die grüne Wolle von dem aktuellen Projekt um ihren Fuß und bringt sie fast zum Stolpern. Wir enttütteln sie gemeinsam. Dann zeigt sie mir zwei gehäkelte Fliegenpilze, von denen ich mir einen aussuchen darf. Wie immer kann ich mich schwer entscheiden. Sie freut sich, dass ich beide schön finde.

Herzlich bedanke ich mich als ich dann den gewählten Pilz in Händen halte. Die Seniorin strahlt mich an und sagt: „Den können Sie als Nadelkissen benutzen oder einfach als Glückspilz!“ Da ich nicht handarbeite habe ich leider auch keine Verwendung für ein Nadelkissen. Aber so einen Glückspilz- wer kann den nicht gebrauchen? Ich bin irgendwie gerührt.

Nun steht er auf unserer Kommode, bringt hoffentlich ganz viel Glück und jedes Mal wenn ich durch den Flur gehe denke ich an diese alte Dame und diese schöne kleine Begebenheit…